- Der lange Weg aus dem Martyrium oder: Wie man verheizt wird -

Autor: Ein Realschullehrer, der noch (!) nicht so weit ist, seine Identität preis zu geben

Dieser Titel erscheint sicherlich manchem Leser wie anfangs auch mir, ein wenig übertrieben. Die Provokation, die ich aber damit vielleicht erreiche, ist beabsichtigt und könnte Grundlage einer Diskussion und damit zu einer Hilfe weiterer Betroffener werden.

Ich unterrichte seit 1980 an Realschulen in Schleswig-Holstein. Der Beruf brachte mir in den ersten 10 Jahren Spaß und bereitete mir keine außengewöhnlichen Probleme. In den darauf folgenden Jahren litt ich hin und wieder an Durchfall, der zunächst nicht als psychosomatische Erkrankung erkannt wurde. Die Häufigkeit der Dienst-Ausfälle nahm im Laufe der Jahre stetig zu. Ich habe mir nicht eingestehen wollen, dass ich langsam Probleme mit Schülern bekam. Dann kamen meine ersten Reaktionen auf schwieriges Schülerverhalten, die ich so von mir nicht kannte und die in mir eher ein schlechtes Gewissen erzeugten als die Gewissheit, dass etwas passieren musste.

Keiner sollte wissen, wie es in mir aussah. Langsam kam die Angst, auch weiterhin schwierige Situationen nicht mehr bewältigen zu können. Ich kannte ja inzwischen mein eigenes Verhalten: Angst, Ungeduld und daraus resultierendes Verhalten den Schülern gegenüber. Das Motto „Ihr müsst Euch anders verhalten!“ wurde zunehmend Inhalt meines täglichen Unterrichts. Wenn es sich einmal ganz festgefahren hatte, wurden Gespräche geführt und beide, die Schüler und ich, gingen respektvoller miteinander um. Eine Zeit lang – denn unbemerkt fiel ich immer wieder in das alte Muster hinein.

Heute glaube ich, dass ich sehr viel Angst davor hatte, die Kontrolle über mich und meine Umwelt, insbesondere meine berufliche Umgebung, zu verlieren. Diese immer wiederkehrenden Auseinandersetzungen mit den Schülern kosteten mich zunehmend Kraft. Dann waren da wieder die Elterngespräche, bei denen ich mein Selbstbewusstsein vergessen hatte. Selbstbewusstsein – vor 15 Jahren wurde mir langsam klar, was das mit meinem Durchsetzungsvermögen zu tun hatte. Schüler spüren es deutlicher als man vielleicht denkt, wenn ihr Lehrer nicht von sich selbst überzeugt ist. Diese Unsicherheit nutzt dann zwar nur eine Minderheit der Schüler aus, verhindert aber damit einen normalen Unterricht und fordert stattdessen die gesamte Konzentration des Lehrers auf diese Schüler. Das kostet sehr viel Kraft!

Immer häufiger fühlte ich mich wie ein Einzelgänger, mit dem man ja machen konnte, was man wollte. Bis der Schmerz mich wieder einmal platzen ließ. Platzen gegenüber denen, die mir das „antaten“. Sie waren oft gar nicht böswillig, aber ich wurde immer mehr ihr Spielball, den sie hin- und herschießen konnten. Meine Reaktionen schossen zugleich immer häufiger über das Ziel hinaus. Ich spürte mich oft nicht mehr – vielleicht war das eine Art Schutz, damit auch den zunehmenden Schmerz nicht mehr zu spüren – den Schmerz und langsam immer mehr die Gewissheit, den falschen Beruf gewählt zu haben.

Immer häufiger hatte ich weitere „Gegner“ – die Eltern, die sich zunächst überwiegend gerechtfertigterweise für ihre Kinder einsetzten. Für mich waren das oft Gespräche, die mir die letzte Kraft nahmen … und mich manchmal krank machten.

Irgendwann hatte ich den Ruf des „ungerechten Lehrers“ weg. Das war wohl auch nicht so ganz falsch. Unbekannt waren aber wohl allen die Gründe, die diese Charaktereigenschaft förderten – meine Ängste – die oft dazu führten, dass ich mit schwierigen Situationen einfach nicht umgehen konnte. Das machte es mir auch besonders schwer, mit Eltern, Kollegen oder meinem Schulleiter darüber zu reden. Und diejenigen, deren Aufgabe es war, mit mir über solche Probleme zu sprechen, waren wohl zu sehr mit sich selber beschäftigt oder fühlten sich damit überfordert, einem  Kollegen zu helfen. Oder haben sie einfach nur die Augen zu gemacht? Ich war sicherlich kein einfacher Gesprächspartner – schließlich musste ich meine Ängste verbergen; denn was passiert, wenn irgendjemand meine Schwächen erkennt? Habe ich dann überhaupt noch eine Chance in meinem Beruf? Bewusst waren mir diese Ängste nicht. Die werden mir erst jetzt (!) beim Schreiben dieses Textes bewusst.

Dann wieder hatte ich einige Zeit Ruhe – bis mein Schulleiter mir in einem Gespräch offenbarte, dass bestimmte Eltern ja auch schon „vor einem viertel Jahr Probleme mit mir hatten“. Er konnte nicht mehr genau sagen, worum es dabei ging – aber es ging um mein „falsches Verhalten“. Nun kam auch schon ein zweiter Kollege auf die Idee, dass man so mit anderen Menschen umgehen könnte. Er teilte mir mit, dass seine Klasse mit mir ein Problem hätte. Meine Stellungnahme war dabei gar nicht gefragt: „Ich glaube meiner Klasse“ – ich merkte, ich hatte keine Chance. zugleich wusste ich, dass inzwischen mein Verhalten in der Klasse immer problematischer wurde. Ich wurde mit den Attacken der Schüler, die ja ganz offensichtlich Unterstützung durch den Klassenlehrer erhielten, nicht mehr fertig. Meine, nun schon aggressiven, Bemerkungen dem Klassenlehrer gegenüber, ich werde Gespräche nur noch führen, wenn mir gesagt werde, um welchen konkreten Fall es gehe, beendete nahezu alle Gespräche mit diesem „Mitstreiter“. Gleichzeitig wurde das Verhalten der Schüler noch unerträglicher.

Schon bald kamen andere Symptome dazu: Nackenverspannungen, dann Tinnitus und Magenprobleme (Schmerzen und Sodbrennen). Da ich es zunächst als eine mögliche Nebenwirkung von Medikamenten ansah, habe ich mir einen Termin bei einer Neurologin geholt. Nach einem ausführlichen Gespräch sagte sie mir knallhart: Sie haben eine sehr schwere Depression, die sich überwiegend körperlich äußert. Es war für mich wie ein Schock, aber zugleich hatte ich das Gefühl, dass endlich das ausgesprochen wurde, was mich schon jahrelang begleitete und immer verschwiegen wurde. Nach einer längeren Krankschreibung und der Untersuchung durch den Amtsarzt habe ich meinen Dienst zunächst mit der halben Stundenzahl wieder aufgenommen und meine Arbeitszeit langsam gesteigert. „Geheilt“ war ich nicht, denn während ich wieder mit voller Stundenzahl arbeitete, spürte ich zunehmend meine alten Symptome wieder. Dazu als neuer Versuch meines Körpers, mir meine Situation klar zu machen, 2 Bandscheibenvorfälle.

Nach 3 Monaten wurde ich von meinem Hausarzt in eine psychosomatische Tagesklinik zur Untersuchung geschickt. Dort sagte man mir, dass die Depression noch lange nicht austherapiert sei. „Ich würde Sie am liebsten gleich 8 Wochen hier behalten“ war die Aufforderung an mich, mir zu überlegen, ob ich dort eine Behandlung beginnen wollte. Meine erste Reaktion war die, mir Gedanken darüber zu machen, was man über mich denkt, insbesondere auf meiner Dienststelle: „Er ist schon wieder ‚krank’, …“. Aber mir war klar – so ging es nicht weiter. Erstmals wurde ich hier darauf angesprochen, ob ich schon einmal darüber nachgedacht hätte, in Frühpension zu gehen. Aber ich glaube, ich war innerlich noch nicht so weit. Auch wenn der Personalratsvorsitzende meiner Schule mir "so nebenbei" (wir hatten eine Fahrgemeinschaft) einmal mitteilte, dass die Kollegen, die mich immer wieder vertreten müssen, langsam sauer werden. Der Kollege, der mir das mitteilte, war übrigens der gleiche, der absolut hinter seiner Klasse stand und nur mein falsches Verhalten kritisierte ... (noch einmal: Er nannte sich Personalrat!).

Danach ein neuer Startversuch. Nun spielte langsam mein Herz immer mehr verrückt. 3 – 6 mal in der Minute verharrte es kurz um dann schneller als vorher weiterzuschlagen. In einer Untersuchung wurde festgestellt, dass es zumindest keine Herzrhythmusstörungen waren.

Immer wenn ich von der Arbeit nach Hause kam, hatte ich eine ganz massive Antriebslosigkeit – ich war völlig erschöpft. Ich kannte das auch schon aus der Vergangenheit. Aber früher hat es mich geärgert, wenn ich keine Energie mehr hatte – eigentlich wollte ich noch im Garten arbeiten oder ein wenig basteln. Nun jedoch war es mir egal. Ich habe mich vor den Fernseher gesetzt und die Zeit vergehen lassen. Ich war damit „zufrieden“. Hauptsache man ließ mich in Ruhe. Dazu kam ein Zittern, das ich am ganzen Körper spürte. Heute weiß ich, dass das eine neue Phase meiner Depression war.

Nach einer weiteren Untersuchung durch den Amtsarzt erhielt ich ein Schreiben vom Bildungs-Ministerium. Ich sollte jetzt im Schulamt in der Verwaltung eingesetzt werden. In einem ersten Gespräch wurde mir vom Schulrat die Tätigkeit vorgestellt. Ich bat zu der Zeit um eine Kopie des amtsärztlichen Gutachtens. Das wurde mir zunächst ganz verwehrt. Da ich aber schon Kontakt mit der Landes-Datenschutzzentrale hatte, die mir Hilfe angeboten hatten, falls ich das Gutachten nicht einsehen dürfe, habe ich darauf bestanden, eine Kopie ausgehändigt zu bekommen. Nach einem Telefongespräch und einer Anfrage bei der zweiten Schulrätin, sagte mir der Schulrat. „Wenn ich es für richtig halte (!), darf ich Ihnen das Gutachten geben – und ich halte es für richtig. Welche Großzügigkeit der Schulrat doch plötzlich zeigte. Na – ich werde mal meinen Zynismus lieber zügeln. Abschließend sagte er, ich solle es mir in Ruhe überlegen, im Schulamt zu arbeiten – aber die Möglichkeit, abzulehnen, hätte ich sowieso nicht. Also fing ich dort am 1. Dezember 2005 an zu arbeiten. Zunächst einmal mussten Kopien erstellt werden. Kontrollieren, zusammenstellen, kopieren – das ganze dauerte etwa 1 Woche. Es war keine schwere oder nervenaufreibende Tätigkeit. Dann mussten aber verschiedene Schulen aufgefordert werden, überfällige Unterlagen abzugeben. Einige Schulleiter reagierten da schon sehr unwirsch. Aber das waren neue Situationen, mit denen ich umzugehen lernen musste und wollte.

Manchmal war es für mich schwierig, Aufgaben, die von verschiedenen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen im Amt nahezu gleichzeitig an mich herangetragen wurden, zu koordinieren. Dann kamen auch schon einmal Hinweise eines Mitarbeiters, Herrn S., dass eine Arbeit so schnell wie möglich erledigt werden musste. Ich fühlte mich zunehmend überfordert, denn Zeit, mir die einzelnen Arbeiten zu erklären, blieb fast nie.

Dann sollte ich innerhalb weniger Tage die Schwerbehinderten einer ganzen Kreisverwaltung erfassen. Das Schreiben vom Ministerium setzte da ganz klar einen Termin. Das war der Zeitpunkt, an dem ich ganz deutlich merkte, dass ich einige dieser Arbeiten ohne intensive Hilfe nicht leisten konnte. Leider habe ich mir das wohl auch persönlich zugeschrieben, dass ich da „versagte“.

Ich wurde wieder krank und von meiner Neurologin für 2 Wochen aus dem Verkehr gezogen. Dann kam das neue Jahr und damit die Chance, einen neuen Versuch zu starten. Aber ich hatte keine Kraft mehr. Nach weiteren 2 Wochen Arbeit war ich wieder am Ende. Im Februar wurde ich dann erneut ins Gesundheitsamt gebeten. Mein bisheriger Amtsarzt war krankheitsbedingt nicht im Amt und so habe ich ein relativ kurzes Gespräch mit seiner Vorgesetzten Ärztin gehabt. Sie sagte mir, dass die Anzahl meiner Krankheitstage der letzten Jahre so hoch liegt, dass ein Verwaltungsakt jetzt dazu führen muss, dass ich in den Ruhestand versetzt werde. Aber da das schon in der Tagesklinik ein Thema war, hielt sich meine Überraschung in Grenzen. Ich glaube, ich war sogar eher erleichtert. Das Gespräch dauerte nicht lange und so fuhr ich nach Hause und wartete Woche für Woche auf eine Nachricht vom Ministerium.

Endlich – nach 12 ½ Wochen (3 Monate!) kam an einem Sonnabend ein Schreiben vom Ministerium. Der Inhalt des Schreibens hat mich so schockiert, dass ich zunächst gar nicht wusste, was mit mir passiert (Anlage 1). Da wurde mir vorgeworfen, dass mein im Schulamt gezeigtes Desinteresse an den zu erledigenden Verwaltungsaufgaben ursächlich für die Arbeitsunfähigkeit sei. Ich sollte unverzüglich meinen Dienst im Schulamt wieder aufnehmen. Ärztliche Attests würden in Zukunft nicht mehr anerkannt werden. Mir wurde ganz massiv mit Verlust der Dienstbezüge und mit einem Disziplinarverfahren gedroht, dass zu einer Entfernung aus dem Dienst führen könnte.

Ich habe mir zunächst einmal das amtsärztliche Gutachten zufaxen lassen (Gutachten vom 28.2.2006) und stellte fest, dass es noch ein weiteres Gutachten gab, das von dem Amtsarzt erstellt worden war, der mich bislang untersucht hatte (Gutachten vom 27.3.2006). Nur lag die letzte Untersuchung schon 6 Monate zurück. Ohne dass weitere ärztliche Befunde eingeholt wurden, schrieb der Amtsarzt folgenden Satz: „Das Desinteresse an der Erledigung der abverlangten Verwaltungsaufgaben wurde derart unverblümt zum Ausdruck gebracht und von immer wieder vorgelegten Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen unterstrichen, dass es inzwischen als völlig aussichtslos erscheinen muss, bei diesem Beamten auch jetzt noch Motivationsarbeit leisten zu wollen.“

Beide – Amtsärztin und Amtsarzt – hielten mich für dienstunfähig und empfahlen, mich in den Ruhezustand zu versetzen (für mich widersprüchlich – aber war der Amtsarzt vielleicht doch nicht ganz von dieser Aussage über mich überzeugt?).

Unklar war für mich zunächst, wie der Amtsarzt eine solche Aussage machen kann, ohne mit mir Rücksprache zu halten. Meine Vermutung wurde aber in einem Gespräch mit dem Verfasser des Gutachtens bestätigt. Die Aussage kam von Herrn S. im Schulamt. Er hat mich so beschrieben.

Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang noch folgende Situationen:

-      Bemerkung des Mitarbeiters nach einem Telefongespräch: „Das ist eine Kollegin von Ihnen. Sie ist krankgeschrieben. In Wirklichkeit hat sie keine Lust zu arbeiten.“

-      Wieder wurde ein Telefongespräch beendet: „Das war wieder eine Kollegin von Ihnen. Die ist angeblich krank. Sie mag eigentlich nur keine Kinder. Wenn sie zu Hause ist, ist sie von den Nachbarskindern genervt. Das wird auch in der Schule so sein.

-      3. Telefongespräch: „Das ist auch ein Kollege von Ihnen. Der hat es geschafft, in den vorzeitigen Ruhestand zu gehen. Und jetzt bietet er Kurse für Motorboot-Führerscheine an. … Der will also krank sein!?

-      2005 ergaben sich nach einer amtsärztlichen Untersuchung für mich einige Widersprüche. So forderte ich eine Kopie des Gutachtens. Als Herr S. meinte, er müsse erst einmal fragen ob der Amtsarzt damit einverstanden sei, wurde ich wegen der mehrfach wiederholten Zweifel, ob mir das überhaupt zustünde, sehr ungehalten. Die letzte Bemerkung des Herrn S.: Sie kriegen eine Antwort.
Nach ca. ½ Stunde klingelte bei mir das Telefon. Es meldete sich meine Mutter und fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, mit wem sie gerade telefoniert hat. Sie erzählte mir, dass sie von Herrn S. angerufen worden war. Er habe angeblich meine Telefonnummer nicht gehabt. Ca. 2 Stunden vorher hat eine andere Mitarbeiterin des Schulamtes mich angerufen. Die Telefonnummer lag also selbstverständlich im Schulamt vor. Ich vermute, dass er im Telefonbuch meine Telefonnummer gesucht hat. Da ich aber nicht im Telefonbuch stehe, wohl aber meine Mutter, hat er dort angerufen. Das Gespräch hat eine Form angenommen, die ich zunächst einmal als Offenlegung meiner Privatsphäre bezeichne.

Nachdem meine Mutter (85 Jahre) anfänglich sehr gefasst war, fing sie nach einigen Minuten an zu weinen und war bald mit den Nerven ziemlich am Ende: „Was ist da passiert“ war ihre Frage an mich, die ich nun in einem langen, ausführlichen Gespräch mit ihr klären musste. Ich musste ihr jetzt erläutern, was in den einzelnen Fällen und vor allem aktuell passiert ist. Ich hatte sie in den letzten Monaten davor mit vielen Dingen nicht belasten wollen. Nun war es sehr schwierig, sie wieder zu beruhigen.

Herr S. hat meiner Mutter in einem 15 – 20 minütigen Telefonat sinngemäß erzählt, dass ich doch früher viel zugänglicher gewesen sei. Er muss sich über mein Verhalten, dass ich ihm gegenüber zu der Zeit zeigte, sehr ausgelassen haben. Sicherlich ist diese Formulierung subjektiv. Aber diese Vorgehensweise, mit meiner Mutter meine Probleme zu erläutern zeigt, dass meine Unzufriedenheit mit dem Verhalten Herrn S. begründet war. Meine Mutter weiß jetzt auch folgendes: Als ich mit meiner damaligen Lebensgefährtin, die auch Lehrerin ist, im Schulamt war, haben wir dort mit dem damaligen Schulrat Schwierigkeiten, die ich bezüglich meines Unterrichts und der zu der Zeit schon vorhandenen gesundheitlichen Probleme hatte, erläutert und versucht, Lösungen zu finden.

Viele Dinge, die mir meine Mutter auch weiter erzählte, habe ich ihr nie gesagt. Da sie nach Gesprächen über Probleme nächtelang nicht schlafen kann, habe ich sie über vieles nicht informiert. Außerdem möchte ich mich nicht von Herrn S. zwingen lassen, meine Probleme mit meiner Mutter zu besprechen.

Da ich nicht nachvollziehen konnte, wie das zweite Gutachten zustande gekommen ist, habe ich mir einen Termin beim Amtsarzt geholt, um das zu klären. Bezüglich der Formulierung meiner Arbeitshaltung im Amt gab der Amtsarzt zu, dass er einen Fehler gemacht habe, mich nicht anzuhören. Er entschuldigte sich nach einem ausführlichen Gespräch mit der Zusage, das Gutachten dahingehend zu ändern, dass es mit dem 1. Gutachten übereinstimme. 2 Tage später erhielt ich einen Telefonanruf der Amtsärztin, die mich davon überzeugen wollte, dass Herr S. (Schulamt) sehr fair gewesen sei. Aber ihm sei aufgefallen, dass ich 2 mal gesund und ohne erschöpft gewesen zu sein, den Arbeitsplatz verlassen habe, dann aber mich habe krankschreiben lassen. Das konnte Herr S. nicht nachvollziehen. Ich hatte Schwierigkeiten, die Amtsärztin davon zu überzeugen, dass Herr S. ja wohl schwer in mein Innerstes hineinsehen könne und damit auch die Gründe, die zu einer erneuten Erkrankung geführt haben, zu sehen.

In dem Gespräch habe ich andeutungsweise – wohl auch, um das Verhalten des Herrn S. deutlicher zu machen – über die oben beschriebenen Vorfälle berichtet und das Wort „Mobbing“ genannt. Meines Erachtens ist der Bericht an den Amtsarzt auch ein Teil dieser Schikane. Ich wurde von der Amtsärztin deutlich zurückgewiesen. Das sei ein „heißes Pflaster“, so sagte sie „für Mobbing sehe ich zur Zeit keine Grundlage“, und ging weiter nicht auf meine Bemerkung ein.

Mir drängt sich immer mehr der Verdacht auf, dass viele, wenn nicht alle, der Personen im Schulamt, Ministerium und Gesundheitsamt in mir eine Unlust zu arbeiten vermuten. Es ist für mich immer wieder hilfreich, mit anderen Betroffenen zu reden und bestätigt zu bekommen, dass man durch den Beruf wirklich berufsunfähig erkranken kann. Denn gerade das – so glaube ich – wollen viele nicht wahrhaben. Ich habe in Zukunft nur ca. 57 % Pension gegenüber meinem bisherigen Gehalt. Das erfordert selbstverständlich drastische Einsparungen gegenüber meiner bisherigen Lebensweise. Und ich denke, es muss jedem klar sein, dass man derartige Einbußen nicht aus Unlust an der Arbeit in Kauf nimmt. Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich mit dieser Pension auskomme. Dann aber haben mir die Gedanken an die körperlichen Symptome (Tinnitus, Bandscheibenvorfälle, Magen-/Darmprobleme, Erschöpfungszustände, Antriebslosigkeit, Herzrhythmusstörungen, Zittern am ganzen Körper) folgendes deutlich gemacht: Mein Körper hat mir immer wieder gezeigt, dass ich ihn nicht richtig verstanden habe. Also musste er es mir jedes Mal ein wenig überzeugender mitteilen, dass seine Kraft am Ende war. Meine Frage, wie es mir mein Körper beim nächsten Mal mitteilen wird, dass seine Kraft am Ende ist, gab mir zumindest die Kraft, mein schlechtes Gewissen einigermaßen ruhig zu stellen. Trotzdem ist es manchmal noch da und verbündet sich mit einer – zugegebenermaßen immer erträglicher werdenden - Depression.

Ich habe endlich auf meinen Körper gehört – und werde dafür bestraft!

 

Kontaktaufnahme: Kontakt@berufs-erkrankungen.de

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